T+1 Verkürzung des Settlementzyklus

T+1: Die Zukunft des Settlements

Der Wirtschaftskrimi der den Stein ins Rollen brachte.

Überlegungen den Settlementzyklus auf dem US-Finanzmarkt zu verkürzen, gibt es schon seit geraumer Zeit. Durch die Ereignisse, die sich Anfang 2021 an den US-Börsen abgespielt hatten, gewann die Diskussion jedoch an Aufmerksamkeit.

Damals hat sich ein Schwarm von Privatanlegern mit dem Ziel, den Kurs des Einzelhändlers GameStop nach oben zu treiben und so die Leerverkäufer aus der Aktie zu drängen, zusammengeschlossen. GameStop litt damals unter einer hohen Shortselling Quote die in der Spitze am 04.01.2021 nach Berechnungen des Finanzanalyseunternehmen S3 141,8% des frei verfügbaren Aktienkapitals betrug.

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Sascha
Schönsiegel

Jan
Stelzer

Die Shortselling Quote von über 100% erklärt:
Sobald der Leerverkäufer sich die Aktien vom Verleiher leiht und sie dann wieder auf dem Markt verkauft, kann der neue Eigentümer der Aktien diese genauso wie der vorherige Eigentümer verleihen, ohne zu wissen, dass er auf der anderen Seite eines Leerverkaufs steht. Die Abrechnungszeit beträgt zwei Tage nach der Transaktion (T+2). In dieser Zeit können dieselben Aktien wieder und wieder verliehen werden. Dadurch ist es auf dem Papier möglich, mehr als 100 % des Streubesitzes einer Aktie zu leerverkaufen.

 

Dabei ist der Kurs der Aktie von Beginn des Jahres 2021 bis Ende Januar 2021 um mehr als 1300 % gestiegen. Diese Entwicklung führte zu einem sogenannten „Short Squeeze“, wobei Shortseller gezwungen sind, sich zu einem viel höheren Preis als geplant mit den geliehenen Aktien einzudecken.

Aufgrund der hohen Volatilität und des hohen Handelsvolumens kam es hier zu starken Verlusten und Ausfällen von Handelsparteien. Beispielsweise musste der Hedgefonds Melvin Capital zunächst mit 2,75 Mrd. USD an neuen Investitionen gestützt werden und ca. ein Jahr später seinen Betrieb endgültig einstellen.

Das hier beschriebene Kontrahentenrisiko und dessen Reduzierung ist seitdem eines der zentralen Argumente für die Reduzierung des Settlementzyklus.

DTCC verkürzt den Settlementzyklus von T+2 auf T+1

In dem Bestreben, Risiken zu verringern und die Wertpapierabwicklung auf den US-Finanzmärkten zu stärken und zu modernisieren, haben repräsentative Organisationen unter der Führung der Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA), des Investment Company Institute (ICI) und der Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC) eine Änderung des Abwicklungszyklus von Handelstag plus 2 Tagen (T+2) auf Handelstag plus einen Tag (T+1) initiiert. In diesem Zuge sollen auch separate Abwicklungszyklen für Sonderprozesse abgeschafft werden und neue Aufzeichnungspflichten bei registrierten Anlageberatern zur Erstellung und Aufbewahrung von Bestätigungen durch Broker eingeführt werden.

Das geplante Go-Live-Datum für dieses Vorhaben ist Ende Q3/2024. In China und Indien ist T+1 teilweise schon phasenweise umgesetzt worden.

»Die Verkürzung des Settlementzyklus in den USA könnte für den US-Markt Wettbewerbsvorteile bieten, welche durch den europäischen Markt schnell aufgeholt werden müssen. Deshalb könnten sich entsprechende Entwicklungen auch hierzulande abzeichnen.«
— Jan Stelzer

Ziele von T+1

Reduzierung von Risiken und Kosten

Freisetzung von Liquidität und bessere Nutzung von Kapital

Verbesserung der Finanzmarktstabilität

Erhöhung der allgemeinen Settlement Effizienz der Wertpapiermärkte

Modernisierung und Harmonisierung der Systeminfrastruktur

Standardisierung von Prozessen

Timeline (Stand 08.2022)

 

Projekttimeline der DTCC

 

Die Anpassungen zur Vorbereitung auf den T+1 Settlementzyklus müssen innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden. Für die Umstellung von T+3 auf T+2 wurden 4-5 Jahre benötigt, diese trat am 05.09.2017 in Kraft.

Status Quo und zukünftiger Abwicklungsprozess

Zeitliche Veränderung der Prozesse und Aktivitäten

Zeitliche Veränderung der Prozesse und Aktivitäten

 

  • Verkürzte Abstimmungs- und Allokationszeiten mit Handelskontrahenten (bis Ende Handelstag)
  • Verbesserte Handhabung der SSIs notwendig
  • Verkürzung der Cut-off Zeiten entlang der gesamten Abwicklungskette
  • Anpassungen von SLAs mit Erfüllungsgehilfen notwendig
  • Standardisierung der Kommunikation zwischen Marktteilnehmern erforderlich
  • Erhöhung der STP-Rate, um zeitintensives Exception-Handling zu minimieren
  • Weniger Zeit für Fails-Management
  • Anpassung des organisatorischen Set-Ups (z. B. Veränderung Arbeitszeitmodell, um USA Markt bedienen zu können)
  • Abwicklungsprobleme bei Handel zwischen Märkten mit T+2 und T+1 (z. B. Lieferketten, Bereitstellung von Devisen)
  • Abwicklungsketten müssen effizienter werden
  • Kommunikationsstandards und neue Logiken bei Corporate Actions

Zusammenfassung

Erwartete Verbesserungen & Mögliche Hürden und Risiken

»If you have not started thinking about T+1, you really should do so now.«
— David Kirby (Executive Director, DTCC): Accelerating to T+1 Series (14.06.2022)

Warum NEXGEN?

  • NEXGEN ist nicht nur Teilnehmer an allen wesentlichen Diskussionen und Vorträgen zum Thema T+1 Settlement, sondern auch wesentlicher Diskussionstreiber in Deutschland
  • Durch unsere Expertise und Projekterfahrung in der Optimierung von Wertpapierprozessen können wir sie effizient und vollumfänglich bei der Prozessanalyse und Umsetzung neuer Prozesse begleiten
    • Wir haben die aktuellen regulatorischen Anforderungen geprüft und analysieren, inwieweit ihr Unternehmen von der Regularie betroffen ist
    • Wir erstellen die Fachkonzeption mit Ableitung des Handlungsbedarfs und zeigen möglichen Stellschrauben zur Abbildung von neuen Prozessen und Systemanpassungen auf
    • Wir koordinieren und unterstützen Sie bei der Umsetzungsplanung zwischen IT- und Fachabteilung bis hin zum Testmanagement und der Go-Live Planung
    • Wir unterstützen Sie bei der fachlichen Ausgestaltung von nötigen Vertragsanpassungen mit Handelspartnern und Erfüllungsgehilfen
  • Durch regelmäßigen Austausch und aktive Mitgestaltung in Industrieverbänden (ISLA, ICMA, BVI, usw.) im Rahmen diverser Kapitalmarktregulierungen wie MiFID/MiFIR, SFTR, CSDR und auch EMIR sind wir nicht nur immer auf dem neusten Stand der Diskussionen, sondern können aktiv Themen im Interesse unserer Kunden vorantreiben

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